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Ein paar Worte zu Sauerstoffanlagen

Natürlich kann man, wie es schon das Sprichwort sagt, nicht allein von Luft und Liebe leben, aber man kommt auch nur schwerlich ohne sie aus. Das gilt für unsere Schützlinge im Koiteich natürlich ebenso gut. Da ich die Liebe zum Tier bei allen Lesern voraussetze, bliebe die Frage, wie es um die Luft bestellt ist. Wer kennt nicht das Bild? Sie brummen, sie blubbern, sie fressen Strom – konventionelle Luftpumpen. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass ein Großteil der Luft in Form der allseits bekannten Blubberblasen wieder entweicht. Bedenkt man dann noch, dass diese Luft lediglich zu ca. 21% aus Sauerstoff besteht, dem Stoff also, um den es uns bei der ganzen Sache geht, sind die Zweifel umso berechtigter.

Da stellt sich uns die Frage: Gibt es eine messbar bessere Alternative? Weil sich diese Frage nicht nur Koi-Halter, sondern auch private Tüftler, sowie Zubehör-Entwickler gestellt haben, hat sich neben der Weiterentwicklung simpler Luftpumpen in den letzten Jahren zweierlei getan. Eine Möglichkeit, das Wasser mit Sauerstoff anzureichern, die sicherlich viele von Ihnen kennen, ist der Ozonisator. Dazu seien nun in aller Kürze ein paar Worte gesagt. Grundsätzlich klingt die Idee plausibel, dass Ozon als starkes Oxidationsmittel beispielsweise Nitrit zu Nitrat oxidiert, Keime im Wasser abtötet und auch noch guten, brauchbaren Sauerstoff als „Rest“ hinterlässt. Praktisch ein Filter und eine Sauerstoffanlage in einem. ABER nicht umsonst lässt sich Ozon in der Chemie zum Bleichen organischer Stoffe verwenden. So hat es bereits einige Meldungen gegeben, dass Koi durch Rest-Ozon von Ozonisatoren zu Schaden, oder gar zu Tode gekommen sind. Daher stelle ich mich auf die Seite der Stimmen, die zur Vorsicht mahnen!

Die zweite, ziemlich aktuelle Neuerung am Markt, sind die aus der medizinischen Technik stammenden Sauerstoffkonzentratoren. Über eine Steuerung mittels Sauerstoffsonde und Messprozessor lässt sich mit einer solchen Anlage relativ unkompliziert der Sauerstoffgehalt innerhalb eines vorprogrammierten Werterahmens aufrechterhalten. Anstatt also, wie bei den gewöhnlichen Luftpumpen, rund um die Uhr Strom zu verbrauchen, schaltet sich das Gerät nur ein, wenn die Messsonde der Steuereinheit ein Unterschreiten des angegebenen Grenzwertes meldet und beim Erreichen des Soll-Wertes schaltet es sich wieder ab. Es gibt hierfür im Handel bereits attraktive Komplettangebote. Aber auch für Bastler gibt es genügend Möglichkeiten, sich ihre Anlage selbst zusammenzustellen. Die Mess- und Steuertechnik stammt aus der chemischen Industrie oder Aquaristik und Konzentratoren kann man im Handel für medizinischen Bedarf erwerben. Es besteht sogar die Möglichkeit, überholte oder gebrauchte Anlagen von Krankenhäusern, Ärzten oder direkt beim Hersteller zu erstehen. Diese Geräte genügen voll und ganz für unsere Zwecke und sind bisweilen echte Schnäppchen. Für neue Anlagen entwickelt sich inzwischen in der Koiszene ein Markt und einige Händler werben sogar schon in unserem Magazin dafür, dass sie bereits Sauerstoffkonzentratoren führen. Diese Apparate funktionieren mit äußerst hoher Effizienz, da sie nicht einfach schnöde Luft, sondern bis zu 99% reinen Sauerstoff ins Wasser abgeben. Sauerstoffreiches Wasser ist nicht nur gut für unsere Fische, sondern leistet auch der aeroben bakteriellen Zersetzung gehörigen Vorschub, wodurch man die Filterwirkung erhöht. Neben der Möglichkeit, die Anlage über eine Sensorsteuerung zu betreiben, ist es auch möglich, einfach eine Zeitschaltuhr zwischenzuschalten. Das setzt aber voraus, dass man den Tag-Nacht-Rhythmus der Sauerstoffwerte seines Teiches über längere Zeiträume genau misst und die Zeitschaltung entsprechend der Beobachtungen einstellt. Steuert man die Anlage mit Sensortechnik, dann muss auf jeden Fall sichergestellt werden, dass der Sensor gut vom Teichwasser umströmt wird. Anderenfalls besteht die Gefahr verfälschter Messdaten. Hierzu eignet sich der einfache Kniff, den Sensor entweder in eine Rohrleitung zu installieren, eigens für den Sensor an einer Leitung einen Bypass zu legen, oder ihn schlicht mit einer kleinen Pumpe von geringer Förderleistung und geringem Stromverbrauch (5 Watt) anzuströmen. Letzteres hat sich in der Versuchsanlage meines Vaters bewährt, weil es den lästigen Umbau der Rohrleitungen erspart. Aber auch für den Sauerstoffzustrom gibt es einen altbekannten Trick, die Vermischung des Sauerstoffs mit dem Teichwasser zu optimieren: Das Einleiten in ein Zuflussrohr zum Teich. Das unter Druck schnell fließende Wasser vermindert das Entweichen des Sauerstoffs. In unserer Versuchsanlage heißt das, dass der Sauerstoff in die Zuleitung von den Förderpumpen der letzten Filterkammer zum Wärmetauscher der Heizung eingespeist wird und das Wasser danach durch unterirdische Leitungen in den Teich zurückfließt. Der Wärmetauscher wirkt praktisch als „Sauerstoff-Mischbatterie“. Auf dem langen Weg zum Teich wird eine optimale Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff gewährleistet. Es gibt auch im Handel professionelle Sauerstoffmischgeräte. Die allseits beliebten Sprudelsteine sind zum Einbringen des Sauerstoffs übrigens ziemlich sinnlos, da der Verlust zu hoch ist. An dieser Stelle muss noch etwas zur Sauerstoffeinspeisung ergänzt werden: Sauerstoffkonzentratoren werden nur ungern nass! Daher sollte bei einer direkten Zuleitung in das Rohrsystem folgendes beachtet werden. Das fließende Wasser erzeugt einen Gegendruck und sollte dieser stärker sein, als der Druck in der Sauerstoffleitung, dann wird Wasser in das Gerät gedrückt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Konzentrator gerade außer Betrieb ist. Um dem vorzubeugen, sollte man Sicherungsmaßnahmen treffen, wie etwa mechanische Rückschlagventile oder elektrisch angesteuerte Magnetventile. Außerdem sollte der Durchmesser der Sauerstoffzuleitung innerhalb des Wasserrohres möglichst gering sein.

Der Nutzen einer solchen Sauerstoffanlage steht, wie ich finde, außer Zweifel. Denn obwohl viele Koi-Freunde zwar klares Wasser haben, liegen die Wasserparameter doch oft sehr im Argen. Die Sauerstoffsättigung ist demnach das A und O für gesundes Wasser, denn der Sauerstoff fördert als Oxidationsmittel wichtige Prozesse in der biologischen Filterung. Wer regelmäßig Wasser wechselt, oder besser gesagt dem Teich täglich größere Mengen Frischwasser beilaufen lässt, zusätzlich für hohe Sauerstoffsättigung sorgt und die Temperaturen konstant hält, der hat sich die Gunst seiner Fische redlich verdient. Unsere Anlage funktioniert blendend nach dieser einfachen Grundregel. Außerdem entfällt bei sehr guter Versorgung mit Sauerstoff und Frischwasser die „Notwendigkeit“, allerlei teure „Wundermittel“ aus dem Handel als „chemische Notbremse“ für schlechte Wasserwerte einzusetzen. Die Fische danken es uns auf jeden Fall mit Vitalität und Farbenpracht.

Ganz davon abgesehen, erhält man durch die Daten einer Sauerstoffsonde und die Laufzeiten eines Konzentrators wichtige Kenntnisse über die individuelle Charakteristik der Sauerstoffsättigung in seinem Teich. Nach einer gewissen Zeit erkennt man nicht nur die typische Tag-Nacht-Schwankung, die sich aus dem Wechselspiel von Photosynthese und Atmung ergibt, sondern auch witterungsbedingte Schwankungen und jahreszeitliche Veränderungen, die auf Faktoren wie Belichtungsdauer, Temperaturen, Luftdruck, etc. zurückgehen. So haben etwa die Messungen in unserer Anlage, entgegen der gängigen Meinung, kaltes Wasser sei generell sauerstoffreich, im Laufe der Wintermonate einen Sauerstoffabfall angezeigt. Da dieser durch den Konzentrator ausgeglichen werden konnte, durften wir zu Beginn des Jahres deutlich schwimmfreudigere und konditionsstarke Fische in unserem Teich bewundern. Ich hoffe zum Wohle der Koi, dass sich diese Technologie weiterhin eines so großen Interesses wie bisher erfreut und bald, ähnlich wie Heizungen, Solarwärmetauscher, pH-Messgeräte und andere nützliche Entwicklungen, Einzug in viele Teichanlagen hält.
Sebastian Quillmann