Zurück

Koi-Haltung in Umlaufanlagen

Filter-Becken und Filtermaterialien
Wenn wir von Koi-Haltung in einem Filterkreislauf sprechen, so ist damit meiner Ansicht nach gemeint, dass wir durch den Wasserkreislauf zwischen Teich und Filter-Becken Verunreinigungen aus dem Teichwasser entfernen, so dass unsere schönen Koi noch schöner und diejenigen, die vielleicht nicht so schön sind, zu ihrem größtmöglichen Vorteil erscheinen.

Wenn wir einen Teich bauen, in dem Koi gehalten werden sollen, so gibt es keine strikten, festgelegten Regeln, wie groß das Filter-Becken sein sollte, oder welche Filtermaterialien benutzt werden sollten; für jeden Teich sind die Bedingungen einschließlich der Kapazität und des Volumens des zirkulierenden Wassers verschieden. Ein Universitätsprofessor hat Formeln aufgestellt, die die Größe des Filterbeckens ausgehend von der Größe und Anzahl der Fische angeben, aber anscheinend hat er nur in Größenordnungen der bloßen Lebenserhaltung der Fische gedacht, was nicht Sinn und Zweck der Koi-Haltung ist.

Diesmal möchte ich gerne über den wichtigsten Faktor in der Koi-Haltung sprechen: das Teichwasser.

Zunächst lassen Sie mich über die Umstände der Entscheidung sprechen, wo ein Filter-Becken zu plazieren ist.

Es sollte an einem Ort aufgestellt sein, wo es den Anblick des Gartens nicht verdirbt.
Es sollte an einem Ort platziert sein, an dem es leicht fällt zu kontrollieren, wie verschlammt die Filtermaterialien sind.
Es sollte an einem Ort platziert sein, wo es nichts ausmacht, wenn sich ein wenig Geruch entwickelt.
Es sollte irgendwo nahe bei einem Wasseranschluss aufgestellt sein, zur leichteren Säuberung von Becken und Filtermaterialien.
Da elektrisches Zubehör in Benutzung stehen wird, sollte ein Schutzschalter installiert werden.
Schalter müssen vor Regen abgedeckt werden, um Kurzschlüsse zu vermeiden.

Mehr Nishikigoi in einem Teich bedeuten mehr Futter, was wiederum mehr Ausscheidungen und Futtereste zur Folge hat. Wenn die Qualität des Teichwassers abbaut, ist die Hauptursache für gewöhnlich, dass mehr Fische im Teich sind, als die Filteranlage verkraftet.

Der Weg, auf dem Teichwasser gereinigt wird, ist eine Kombination aus den folgenden drei Methoden:

Mechanische Filterung
Feststoffe im Wasser (Futterreste, Ausscheidungen, Schwebstoffe, etc.) werden von den Filtermaterialien aufgefangen. Auch im Absetzbecken werden sie entfernt.
Biologische Filterung
Organisches Material wird von Bakterien und Einzellern gefressen.
Chemische Filterung
Organisches Material wird von Zeolith, Bakuhanseki, Kunstharz in Ionenaustauschern, etc. absorbiert.

Das Schmutzwasser sollte das Filtermaterial einfach durchströmen können und es sollte die Ansiedelung und das Wachstum von Bakterien anregen. Porenreiche Kontaktmaterialien umfassen unter anderem Sand, Kies, Plastik, etc. Viele Sorten von Filtermaterial zur biologischen Filterung sind im Handel erhältlich: Rollen, Waben, PVC-Granulat, Ringplättchen, geschäumte Kunststoffe, Keramik-Filtermaterial, Austernschalen, aufgerollte Netze, etc.

Wenn Sand als Filtermaterial benutzt wird, sollte er auf eine Tiefe von etwa 20cm ausgestreut werden mit Freiraum unter dem Material. Wenn Rollen verwendet werden, sollten sie im Abstand von ca. 30cm 5cm unter der Wasseroberfläche mit einem Abstand von mindestens 10cm zum Boden platziert werden. Die Menge an benötigtem Filtermaterial hängt ab von der Menge organischen Materials in Form von Ausscheidungen und Futter, das zu verarbeiten ist. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Ausscheidungen und der übrige Schmutz zumindest einmal täglich aus dem Wasser entfernt werden sollte. Im Sommer führt bereits das einmalige Belassen der Ausscheidungen im Wasser für einen Tag zur Produktion toxischer Gase, die den Beton schwarz färben.

Die Menge an Sauerstoff, die verbraucht wird im Zuge der Zersetzung organischen Materials durch aerobe Mikroben (Bakterien) im Wasser, wird BOD (Biochemical Oxygen Demand = Biochemischer Sauerstoff-Bedarf) genannt und in mg/l oder parts per million (mm³/l bzw. mg/kg) angegeben. Der BOD für Ausscheidungen und Futterreste wird auf zwischen 1 und 1,5 Promille des Körpergewichts der Koi geschätzt und die organische Belastung der Filtermaterialoberfläche wird zwischen 1g und 3g BOD/m² errechnet. Ich werde hier nicht ins Detail der mathematischen Formel gehen.

Bakterielle Verarbeitung erfordert viel Sauerstoff (Oxidation); bei Sauerstoffmangel wird die Geschwindigkeit, in der sich Stoffe zersetzen, verlangsamt und in einem Zustand starker Sauerstoffunterversorgung wird der Vorgang tatsächlich umgekehrt und Reduktion tritt auf. Man sagt, die Vermehrung der aeroben Bakterien ist am schnellsten bei einem pH von 7 bis 7,5 und einer Wassertemperatur von zwischen 20°C und 30°C. Zu diesen Bedingungen kommt der hohe Sauerstoffbedarf hinzu. Um Koi in Größe und Schönheit heranzuziehen, sollte die Menge an Wasser im Teich idealerweise dem 100- bis 500-fachen des Körpergewichtes der Koi entsprechen und die Kapazität des Filterbeckens mit 25% der totalen Menge veranschlagt werden. Bei einem großen Teich sollte das Wasser das System einmal in zwei Stunden durchlaufen und bei einem kleinen Teich einmal alle 30 Minuten.


Klassische Filteranlage mit Wasserlaufschema
 

Eine Alternative zum geläufigen Bodenablauf ist ein
"Seitenablauf für bodennahes Wasser"

Ein Oberflächenabsauger (Skimmer) reinigt
die Teichoberfläche


pH-Wert

Um die Koi bei guter Gesundheit zu erhalten ist es natürlich notwendig, dass das Wasser keine schädlichen Substanzen enthält. Es ist ebenfalls notwendig, dass der pH-Wert im Bereich von 6,5 bis 8,5 liegt und der Härtegrad des Wassers vernünftig ist.

Wasser enthält geringe Mengen an Hydronium- und Hydroxid-Ionen (Ein Ion ist ein Atom oder Molekül mit entweder negativer (-) oder positiver (+) elektrischer Ladung). Hydronium-Ionen machen das Wasser sauer, während Hydroxid-Ionen es alkalisch machen. Halten sich beide die Waage, ist das Wasser neutral. Das Wasser das wir täglich gebrauchen hat einen pH von 7 +/- 1.

Der pH-Wert variiert ersichtlicherweise abhängig vom Gehalt an Ammoniak, salpetriger Säure, Salpetersäure und anderen Substanzen, die im Wasser vorhanden sind, aber die folgenden Werte bieten einen groben Leitfaden:

10,0fatal   7,0sicher  
9,0Gefahr   6,5Vorsicht  
8,5Vorsicht   6,0Vorsicht  
8,0sicher   5,0fatal  
7,5sicher   4,0fatal   

Koi sind in der Lage, sich an graduelle pH-Wert-Änderungen ziemlich gut anzupassen, aber sie können es nicht mit plötzlichen Sprüngen aufnehmen. Ein Koi, der sich an ein Leben in Wasser mit niedrigem pH-Wert gewöhnt hat, wird durchaus wahrscheinlich an einem Schock (pH-Schock) sterben, wenn er in Wasser mit hohem pH-Wert gesetzt wird. Das wird als einer der Gründe angesehen, warum kleine Koi, die beim Händler in einem überbesetzten Becken gehalten werden, sich von dem Moment an problematisch verhalten, in dem sie in den Teich des Käufers zu Hause eingesetzt werden.

Wenn pH-Werte zu hoch oder zu niedrig sind, ist es wahrscheinlich, dass einer oder mehrere der folgenden Gründe die Ursache ist, und Sie sollten angemessene Maßnahmen treffen, um das Problem zu beheben.

Umstände, die zu hohem pH-Wert (alkalisch) führen:
Viele Stunden Sonneneinstrahlung
Das Teichwasser ist hart
Starke Belüftung; kurze Durchlaufzeiten

Umstände, die zu niedrigem pH-Wert (sauer) führen
Der Teich erhält kein Sonnenlicht
Schwache Belüftung; lange Durchlaufzeiten

Wenn der pH zu hoch ist, wird das Wasser viele Schwebstoffpartikel enthalten, die dem Filtersystem eine Bürde auferlegen. Wenn der pH zu hoch ist, wird es schwierig, die Rot-Färbung abzuschließen und bereits ausgeprägtes Hi verblasst leicht. Schlimmstenfalls kann die Hi-Fläche ernsthaften Schaden nehmen. Vielleicht sind ja auch heute einige unter Ihnen, die die Erfahrung gemacht haben, davon überrascht zu werden, einen Fisch - einen Bekko, oder einen weißen Fisch - in Ihrem Teich schwimmend vorzufinden, der da eigentlich nichts verloren hatte.

Ein Abfallen des pH kann vermieden werden, indem man das Wasser der Luft aussetzt, oder durch den Einsatz von Calciumcarbonat (Austernschalen, etc.), Soda = Natriumcarbonat, oder ungelöschtem Kalk.

Um Stickstoff und Phosphor aus dem Wasser zu entfernen, sind Wasserpflanzen wirksam, wie z.B. Wasserhyazinthe, Binsen, Rohrkolben, Wassersalat, Wasserlilie, Wasserminze, oder Schilf.


Belüftung

Belüftung des Teichwassers löst nicht nur Sauerstoff, sondern auch Wasserstoff im Wasser. Diese Gase reagieren mit chemischen Substanzen, bilden Hydroxid-Verbindungen und erhöhen damit den pH-Wert.

Die Anwendung alkalischer Präparate um den pH einzustellen macht das Wasser härter, was die Haut aufrauht und die Koi anfälliger macht für die Hikkui-Krankheit. Es macht sie auch empfindlicher für Ansteckung mit Kiemenfäulnis.

Es ist recht bekannt, dass in einem Teich mit hohem Gehalt an gelöstem Sauerstoff die Fische einen guten Appetit haben; aber was kann man tun, um den Anteil an gelöstem Sauerstoff im Teichwasser zu erhöhen?
Entfernen Sie Ausscheidungen und Futterreste, die sich im Absetzbecken ansammeln, damit sie nicht ins Filterbecken gelangen.
Verwenden Sie die Filtermaterialien im Filterbecken richtig. Zu viel Filtermaterial wird große Mengen Sauerstoff verbrauchen.
Lassen Sie Salpetersäure und salpetrige Säure bestimmte Grenzwerte nicht übersteigen. (Salpetersäure 10ppm; salpetrige Säure 0,05ppm)
Passen Sie die Zahl der Koi nicht nur an die Größe des Teiches, sondern auch an die Kapazität des Filters an. Dies hat darüber hinaus den Vorteil, dass es das Größenwachstum der Koi unterstützt.


Salpetrige Säure

Anmerkung des Übersetzers: Der Autor spricht hier von salpetriger Säure. Diese liegt in wässriger Lösung als Hydronium-Ionen und Nitrit-Ionen vor. Die Hydronium-Ionen geben der Lösung ihre saure Eigenschaft, die Nitrit-Ionen-Konzentration messen wir als Wasserparameter.

Wenn die Konzentration an salpetriger Säure im Wasser ansteigt, wird das Wasser sichtlich getrübt und die Koi zeigen ähnliche Symptome wie bei Sauerstoffmangel, nämlich das Schnappen nach Luft. In schweren Fällen können Atembeschwerden auftreten; sie liegen träge am Teichboden und können sogar sterben.

Der einfachste Weg, um die Wasserverschmutzung und den Zustand der Bakterien zu überprüfen, ist die Messung des Anteils gelöster salpetriger Säure. Unten ist ein grober Leitfaden angegeben, was die Messwerte bedeuten.

0,05 mg/lideal  
0,1-0,2 mg/lVorsicht  
1 mg/lGefahr!  

Mögliche Gründe für einen Gehalt an salpetriger Säure, der 0,2 mg/l übersteigt, sind:
Überbesatz
übermäßige Fütterung (übriggebliebenes Futter)
unzureichender Sauerstoff
verstopfter Filter

Auch die Verwendung von Medikamenten kann den Anteil an salpetriger Säure zeitweilig erhöhen. Das rührt daher, dass die Medikamente Bakterien abtöten und durch den Effekt der Reduktion Nitrate in salpetrige Säure umgesetzt werden.

Bei Gebrauch von Medikamenten ist es wichtig, das Filterbecken auszuwaschen und viel Frischwasser hineinzugeben, um die Nitrate zu entfernen.

Vorsorgemaßnahmen, die bei Medikamentaneinsatz zu treffen sind:
Das Wasser daran hindern, schlechter zu werden, solange die Medikamente in Gebrauch sind. 2 oder 3 Tage zuvor Fütterung einstellen.
Vor Gebrauch der Medikamente Filterbecken auswaschen.
Die Belüftung erhöhen.

Nach dem Gebrauch von Medikamenten wird es 2 bis 3 Wochen dauern, bevor das Filtersystem seine volle Leistungsfähigkeit wiedererlangt, abhängig von der Wassertemperatur.


Nitrate

Man sagt, sie haben etwa 1/30 der Giftigkeit von salpetriger Säure; Nitrate sind also relativ harmlos, aber sie haben schädliche Auswirkungen auf die endgültige Farbentwicklung der Koi. Nitrate reagieren mit Wasserstoff zu Salpetersäure, die den pH des Wassers herabsetzt.

Die folgenden Methoden werden angewandt, um die Menge an Nitraten im Wasser zu verringern:
Wasserwechsel
Der Gebrauch von Ionenaustauscher-Harz
Absorption durch Wasserpflanzen oder Algen
Durch ein Fällungsmittel
Austreiben durch Luft

Der Einsatz großer Mengen von Austernschalen oder Korallensand, um der Ansammlung von Salpetersäure und einem Abfallen des pH vorzubeugen, wird das Wasser härter machen und Calciumnitrat produzieren und wird also nicht empfohlen. Wie aus einem vorangegangenen Magazin ersichtlich, kann ein Ansteigen der Nitrate Methämoglobinemia (eine Abnahme der Sauerstofftransportkapazität der roten Blutkörperchen) hervorrufen, was zu Sauerstoff- und Blutproblemen führt.

Wenn die Härte des Wassers (Calcium, Magnesium, etc.) 50ppm oder mehr beträgt, dann wird der pH umso mehr steigen, je schneller die Zirkulation und je stärker die Belüftung ist. Wenn sich der pH-Wert im Bereich von 8,0 bis 8,5 befindet, so ist dies wahrscheinlich so, weil das Wasser sehr hart ist.


Ich habe hier mannigfache Aspekte des Teichwassers diskutiert. Ich weiß, dass sich viele alt eingesessene Koi-Enthusiasten auf ihren 6. Sinn verlassen, den sie über lange Jahre der Erfahrung bei der Kontrolle der Qualität ihres Teichwassers erworben haben. Aber einfache Wassertest-Kits sind im Handel erhältlich und aus dem Gebrauch eines Test-Kits und der Regulierung der Wasserqualität in Ihrem Teich auf der Grundlage dieser Daten können sehr wertvolle Erfahrungen gewonnen werden. Ich hoffe, dass Sie sich dem Lernen widmen mit dem Ziel, für Ihre kostbaren Koi die ideale Umwelt zu schaffen.


Tsunehisa Sugioka, Chief of Nishikigoi Keeping and Research Division
Übersetzt aus dem Magazin Nishirin von Sebastian Quillmann