Der Koikauf im Allgemeinen und der Tategoi im Besonderen


Streicheln und Füttern mögen Koi besonders gerne!

Koikauf ist Vertrauenssache, so heißt es im Allgemeinen. In den letzten Jahren sind die Medien dermaßen auf Koi abgefahren, dass es einem als Koiliebhaber schon Angst und Bange werden konnte. Auch noch der einfachste Billigkoi mutierte über Nacht zur Kapitalanlage. Biedere Bürger, die einige Koi ihr Eigen nennen, wurden über Nacht zu reichen Snobs ernannt. Ich möchte hier nicht ausschließen, dass es sündhaft teure Koi gibt, und Menschen die solche besitzen gibt es auch. Nur reden wir doch zuerst einmal über ganz normale Koi und ihre Bedürfnisse.

Leider werden oft erst die Koi gekauft und dann stellt man fest, dass man ihren Lebensraum nicht optimal vorbereitet hat. Daher hier ein paar Eckdaten zur Koihaltung.
Der Koiteich sollte nicht weniger als 15.000 l Inhalt haben und ca. 2m tief sein. Dazu kommt die Filteranlage, deren Volumen nach einer Faustregel 20-30 % des Teichvolumens beinhalten soll. Also bei 15.000 l Teichvolumen 3000 - 4500 l Filterinhalt. Ein Filter kann nie groß genug sein. Ein Koi sollte mindestens 1000 l gut gefiltertes Wasser zur Verfügung haben. Ich selber halte 3000 - 4000 l für sinnvoll.
Wer bessere und wertvolle japanische Koi halten möchte sollte seinen Teich beheizen können. Viele Gartenteiche sind wegen ihrer Beschaffenheit für Koi untauglich. Bedenken Sie, Koi werden riesengroß und man stellt ja auch keinen LKW in eine PKW-Garage. Außerdem kann eine Vergesellschaftung von Koi mit anderen Teichfischen wegen der Verträglichkeit von Behandlungsmitteln bei Krankheiten und der verschiedenen Parasitenverträglichkeit zu Komplikationen führen.

Nach Fertigstellung der Teichanlage will man auch schnellstens Koi einsetzen und der Koifan möchte ein paar schöne Koi kaufen. Hier gilt es nun cool zu bleiben. Ein neuer Teich muss reifen und das dauert viele Monate. Anfänger sollten mit preiswerten Eurokoi ihr Hobby beginnen, dann ist, wenn es mal schief geht, und das ist oft der Fall, wenigstens zum ideellen Schaden der materielle nicht so gravierend. Aber wir sind ja schon Fortgeschrittene und wollen echte japanische Koi kaufen.
Japanische Koi, ...von den Medien in den Olymp erhoben und teuer. Ich sage Quatsch!!! Normale japanische Koi werden von seriösen Importeuren zu leistungsgerechten Preisen angeboten. Manchmal werden leider Koi durch die vielen Handelsstationen die sie durchlaufen unnötig teurer. So fällt es mir nach der Einführung des Euro des öfteren auf, dass unselektierte Billigimporte für meinen Begriff stark überteuert angeboten werden.

Japanische Koi gibt es in 13 Zuchtvarianten, die wiederum in ca. 170 Farbschläge unterteilt sind. Für den Laien schier unüberschaubar, aber gute Koihändler können ihren Kunden erklären um welche Koi es sich handelt. Wer Koi bei fachlich kompetenten Spezialhändlern oder Importeuren kauft zahlt meist einen fairen Preis. Ich rate dringend dazu nicht gleich bei der ersten Adresse die man besucht zu kaufen.
Verschaffen Sie sich einen Überblick indem Sie möglichst viele Händler besuchen und achten Sie auf die Feinheiten. Sind die Verkaufsbecken sauber, sind kranke oder tote Koi in der Anlage? Stehen einzelne Koi mit angelegten Flossen regungslos oder schwer atmend im Wasser, oder liegen so am Boden? Haben Koi entzündete Verletzungen oder abstehende Schuppen? Riecht es stark nach Fisch/Tran oder schäumt und glibbert das Wasser? Sind die Becken vollgekotet? Bei all diesen Anzeichen ist ein Kauf sehr risikoreich. Lieber nicht kaufen.
Ein Händler kann aber auch gerade Pech gehabt haben und seine Anlage war defekt oder neu importierte Koi machen Probleme. Dann sollte man ihn nicht gleich schlecht machen, das kann jedem mal passieren.

Bevor die Koi zu uns nach Deutschland kommen, haben sie einen schweren stressvollen Weg. Sie werden im Okt.-Nov. abgefischt, zig mal gekeschert und umgesetzt, gegen Parasiten behandelt und wieder und wieder begutachtet. Dann werden sie in Plastiktüten mit 1/3 Wasser und 2/3 reinem Sauerstoff verpackt und in einen stabilen Karton gesetzt. Diese Kartons mit den Koi werden wieder auf Paletten verladen und mit Bändern verzurrt. Danach geht es per LKW zum Flughafen. Nach der Abfertigung dann endlich in das Flugzeug und ab geht's. In Frankfurt angekommen warten die Händler schon ungeduldig auf die Abfertigung ihrer Koi. Bis der Händler mit seinen Koi zu Hause ist und die Fische endlich in seiner Anlage schwimmen sind für die Tiere oft dreißig oder mehr Stunden in enger Verpackung unbeschadet zu überstehen. Aber das klappt in der Regel erstaunlich gut. Der seriöse Händler bietet neu importierte Koi dem Privatkunden erst nach 4-5 Wochen Quarantäne an. Sind die Koi nach der Quarantäne munter und schwimmen agil umher, haben klare Farben ohne Belag und keine Verletzungen dann kann gekauft werden.

Aber hallo, wir haben doch Winter, wollen Sie jetzt Ihren neuen Koi in den Teich setzen? Hoffentlich nicht. Ein guter Händler wird den von Ihnen gekauften Koi gerne bis zum Frühjahr in seiner Anlage hältern. Es werden Fotos gemacht, der Koi wird vermessen und wenn man im Frühjahr seinen Koi abholt ist er vielleicht schon ein paar cm gewachsen.
Wenn im Frühjahr die Wassertemperaturen konstant über 16°C sind beginnt die Koisaison. Jetzt beginnt der eigentliche Koiverkauf und der ganz eilige Spätherbst- und Winterkäufer wird seinen Koi beim Händler abholen. Dabei wird der Koi beim Händler einer genauen Kontrolle unterzogen. Schwimmverhalten, Körperform, Kiemen, Flossen, Schuppen, Hautbeschaffenheit, alles Ok. Na dann wollen wir mal... Halt! Wie sieht er denn von unten aus. Also rein in eine Plastiktüte - natürlich mit Wasser - und hochheben. Genau den Bauch, die Flossenansätze, kurz wie beim TÜV alles von unten betrachten. Ist auch diese Prüfung positiv ausgefallen kann getrost verpackt werden.

Den Karton mit dem Koi stellt man im Kofferraum quer zur Fahrtrichtung, damit beim Bremsen und Anfahren der Koi nicht ständig an der Nase oder am Schwanz gestaucht wird.
Zu Hause angekommen sollte eigentlich wieder eine Quarantäne gemacht werden. Viele Koiliebhaber verzichten auf diese Schutzmaßnahme. Sie sollten aber wissen, dass Neubesatz immer Risiko bedeutet. Risiko für den Altbestand, weil er mit eventuellen Bakterien und Krankheitserregern der Neuen nicht zurecht kommt und erkrankt, oder im Umkehrschluss die Neuen vertragen den Dunstkreis der Alten nicht. In schlimmen Fällen kann so was zum Totalverlust führen.
Es sollten auch keine größeren Temperaturunterschiede zwischen Transport -und Teichwasser sein, ebenso sollte der pH-Wert in etwa gleich sein. Ein Angleichen ist durch langsames Vermischen von Transport - und Teichwasser möglich. Dazu sollte der Koi mit dem Transportwasser in eine bereitgestellte Wanne eingesetzt werden. Aber aufpassen, dass er nicht herausspringt.
Noch mal, wer keine Quarantäne machen will oder kann, der sollte wenigstens ein 2 % Salzbad über 20- 30 Min. mit dem neuen Koi machen. Auch hier ist eine genaue Beobachtung nötig. Sollte der Koi während des Bades kippen, dann sofort in Frischwasser umsetzen. Wenn die ganze Prozedur erledigt ist, entlässt man den Koi in sein neues Reich.
Für die Optimisten, die glauben Ihre Koi sofort vom Händler in den Teich geben zu müssen, noch ein gut gemeinter Rat, schütten Sie wenigstens nicht das Transportwasser mit in Ihren Teich.

Koi werden beim Händler nur sehr sparsam gefüttert, damit sie das Wasser nicht so stark belasten. Wir Koiliebhaber neigen aber eher dazu die Koi, weil sie ja ständig um Futter betteln, zu stark zu füttern. Geben Sie Ihren neuen Koi bitte in den ersten 10 - 14 Tagen nur kleine Portionen leicht verdauliches Weizenkeimfutter, damit sich ihr Organismus langsam an größere Futtermengen gewöhnen kann. Gerade bei kleinen Koi kann eine zu große proteinreiche Futtermenge sogar zum Tod führen. Sie erleiden einen Eiweißschock, werden apathisch und sterben sehr schnell ohne äußerlich erkennbare Anzeichen einer Krankheit.

Nun möchte ich noch ein paar Zeilen an die Koiliebhaber richten, die ständig auf der Jagd nach dem preiswerten Superkoi sind. In dem Zusammenhang fällt immer das Wort "Tategoi". Was ist ein Tategoi?
Ein Tategoi ist ein Koi, den wohl nur wenige Koiliebhaber jemals besitzen werden. Ein Tategoi ist wie ein Rohdiamant von dem auch nur die erfahrensten Profis wissen wie er später nach dem Schliff einmal aussehen könnte.
Die Betonung liegt auf könnte. Ich glaube nicht, dass selbst die erfahrenen Koisammler unter uns einen Tategoi ohne hilfreiche Unterstützung und Erklärung seines Züchters erkennen würden. Tategoi sind Koi mit hohem Zukunftspotential und wer, außer seinem Züchter kennt oder besser ahnt das Zukunftspotenzial incl. Wachstum. Zukunft heißt nicht heute und nicht morgen. Die Entwicklung eines solchen Koi kann Jahre dauern. Das sind auch Koi die zweijährig schon 60cm groß sein können. Diese Koi haben in der Regel noch keine ausgeprägten Farben. Da weiß oder ahnt wiederum nur der Züchter und Kenner der Blutlinie wohin die Entwicklung geht.
Und dann kommt der koiverrückte Stratege zu einem Koihändler und sieht an einem Becken das Schild "Tategoi". Das sind meist gut ausgefärbte prächtige Koi zu stolzen Preisen. Ein wirklicher Tategoi ist weder gut ausgefärbt noch prächtig, eben wie der rohe Edelstein, ungeschliffen und nur vom Kenner beachtet.
Großimporteure mit hoher Kaufkraft sind in der Lage Tategoi für Ihre handverlesene Kundschaft zu ordern. Diese Koi werden dann direkt in Japan gehandelt und der stolze Besitzer lässt diese wirklichen Tategoi in der Regel noch zwei bis drei Jahre beim Züchter oder einem professionellen Koispezialisten, der nichts anderes tut als solche Tiere zu betreuen und sie für Ausstellungen vorzubereiten.
Aber wie gesagt, das außerordentliche Glück einmal einen echten Tategoi zu besitzen werden nur sehr wenige Koiliebhaber haben. Mal Hand aufs Herz liebe Koifreunde, würden Sie als Züchter einen Baby-Koi mit höchstem Zukunftspotential für 500,00 Euro verkaufen, wenn er als zweijähriger das dreißigfache bringen kann? Sehen Sie, der Japaner macht das auch nicht.

Willy Quillmann