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Wie fange ich einen Koi?

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Liebe Koifreunde,

immer wieder hört man von Problemen, die beim Einfangen eines Koi auftreten. Die Hauptproblematik besteht darin, dass das Keschern (fangen) des Koi unzureichend vorbereitet wird. Ebenso werden häufig falsche Geräte benutzt. Man muss sich vorher Gedanken machen, wie und aus welchen Gründen, unter welchen Umständen will ich den Koi herausfangen. Man fängt keinen Koi nur um seine Länge zu messen oder ihn zu wiegen. Diesen Stress sollte man seinen Koi ersparen. Messen, wiegen, usw. kann man Koi immer dann, wenn sie zu Behandlungszwecken oder zum Transport gefangen werden müssen.
Wann muss man nun einen Koi fangen und behandeln? Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass viele Blessuren bei guten Wasserwerten und konstanten Wassertemperaturen über 18°C von einem gesunden Koi leicht selbst kompensiert werden. Man wundert sich allerdings immer wieder, dass da wo kranke Koi sind, die Wasserwerte laut Aussage des Besitzers alle stimmen und wenn man nach der Filterung fragt, sind meistens erste Zweifel angebracht. Das möchte ich jetzt aber nicht mehr weiter vertiefen.

Sollte aber eine Behandlung nicht mehr zu umgehen sein, dann stellt man sich zuerst die Frage nach dem günstigsten Zeitpunkt. Muss man einen Koi unbedingt bei sehr hoher Wassertemperatur fangen? Sollte ein Koi am Tag zuvor, oder gar am Tag des Einfangens noch Futter bekommen? Ich glaube das verbietet sich von selbst. Unter solchen Bedingungen fängt man einen Koi nur im äußersten Notfall. Es würde auch keinem normalen Menschen einfallen bei 35°C im Schatten nach einem üppigen Mahl einen Dauerlauf mit Sprinteinlagen zu beginnen. So sieht aber das übliche Keschern nach Koi im Normalfall aus. Der Koi, ständig auf der Flucht vor dem Kescher über Stock und Stein, hat nur dann eine kurze Verschnaufpause wenn Herrchens Arme müde werden. Solche Attacken bringen sensible Koi besonders bei hohen Wassertemperaturen in ernsthafte Lebensgefahr.

Um Koi sicher aus dem Teich herauszufangen benötigt man je nach Beschaffenheit des Teichs zwei bis drei Leute, die auch die notwendige Geduld mitbringen. Bei großflächigen, tiefen Teichen, kommt man nicht daran vorbei mit einem Netz zu arbeiten. Dieses Netz muss von Teichwand zu Teichwand reichen und mit Gewichten beschwert am Boden liegen. So wird nun vorsichtig der Teich durch Verschieben des Netzes kleiner gemacht, bis die Koi nur noch wenige m² Platz zum Schwimmen haben. Dann fängt man den Koi vorsichtig mit einem runden, flachen Kescher und führt ihn behutsam dicht unter der Wasseroberfläche einem Helfer zu, der ihn aus dem Teich herausnimmt und in die bereitgestellte Behandlungswanne einsetzt.
Ungeübte nehmen bitte zum Herausnehmen einen sogenannten Strumpfkescher, damit der Koi auch die letzten zwei Schritte bis zur Wanne unbeschadet übersteht. Man kann das Behandlungsbecken auch schräg in den Teich halten und den Koi mit dem Kescher vorsichtig hineinführen. Danach hebt man die Wanne zusammen mit dem Koi aus dem Wasser. Decken Sie bitte die Wanne vor dem Herausziehen ab, damit der Koi nicht gleich wieder herausspringt.
Dabei ist zu beachten, dass Wasser + Wanne + Koi viel Kraft erfordern. Bei kleineren, besser zugänglichen Teichen genügt es, wenn besagte zwei bis drei Personen mit entsprechend großen Keschern die Räume eng machen und der Koi wiederum mit dem runden, flachen Kescher gefangen wird.

Warum schreibe ich immer vom runden, flachen Kescher? Weil er das einzige Gerät ist, mit dem man einen Koi relativ unbeschadet aus dem Teich fangen kann. Der Koi kann sich ständig uneingezwängt bewegen und ist im Wasser sehr leicht zu führen. Natürlich muss der Durchmesser des Keschers der Länge des Koi angepasst sein. Es gibt aber auch Kescher in allen Größen, die vornehmlich von Anglern benutzt werden. Diese Geräte haben sackförmige, tiefe Netze und allenfalls den Vorteil, dass sie preiswert sind. Diese Kescher gehören nicht zur Ausstattung eines Koiliebhabers! Durch diese Kescher können Koi ernsthaft verletzt werden. Vor allem die Flossen verhaken sich manchmal so stark in den Maschen, dass der Koi nur noch mühsam befreit werden kann. Das ist schon eine harte Tortur für einen Koi. Manche erleiden einen regelrechten Schock bei dieser Behandlung. Dazu kommt noch, dass größere Koi, wenn sie unten in diesem Netzsack hängen, sich zu einem mehr als geschlossenen Ring biegen, ja man hat den Eindruck, dass aus der Biegung schon ein Knick wird. Wenn dann der Koi auch noch sich verzweifelnd wehrend, in dieser Haltung ein gutes Stück transportiert wird, um dann mit Schwung in der Wanne zu landen, wo er dann aus dem Netz geschält wird, ist er in großer Lebensgefahr. Mir sind Fälle bekannt, wo solche Fänge mit dem Schocktod des Koi endeten. Auch glaube ich, dass der Koi sich durch die extreme Verbiegung innere Verletzungen zuziehen kann, die hernach zum Tode führen können.

Zum Abschluss möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass jedes Keschern, Umsetzen und Transportieren für Koi ein großer Stress ist. Geschockte Koi schießen zitternd und drehend wie Geschosse in den Becken oder Teichen herum und liegen zum Schluss auf der Seite. Auch nach zu dichtem Transportbesatz kann schon mal ein Koi in dieser Form auffällig werden. Die einzige mir bekannte Methode solche Koi zu retten ist, den Koi blitzschnell in einen Transportbeutel mit einem Drittel Wasser und zwei Drittel reinem Sauerstoff zu stecken, den gut verschlossenen Beutel dann abgedunkelt lagern und mit viel Glück schwimmt der Koi dann nach einigen Stunden wieder.
Willy Quillmann